Esoterik früher und heute

Esoterik

Esoterik (von altgriechisch für „innerlich“) ist in der ursprünglichen Bedeutung eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten also inneren Personenkreis zugänglich und verständlich ist. Andere Deutungen der Wortherkunft beziehen sich auf einen inneren, spirituellen Erkenntnisweg bzw. auf ein höheres oder absolutes Wissen. Der Begriff Esoterik wird aber für ein breites Spektrum verschiedenartiger spiritueller, mystischer und okkulter Lehren und Praktiken verwendet, wo auch das Motiv der Geheimhaltung eine Rolle spielt. Der Gebrauch des Adjektivs „esoterisch“ lässt sich dabei bis in die Antike zurückverfolgen. Im Gegensatz dazu ist der Gebrauch des Substantivs „Esoterik“ sehr viel jüngeren Ursprungs und wurde erstmals 1852 in einem französischen Universallexikon als Bezeichnung für Geheimlehren aufgeführt, so wird der Begriff „Esoterik“ auch heute weithin verstanden, wobei es sich allerdings zumeist um allgemein zugängliche, also offene Geheimnisse handelt. Nach einem anderen Begriffsverständnis bezieht sich das Wort auf eine höhere Stufe der Erkenntnis also auf absolutes Wissen und auf die sehr vielfältigen Wege, welche zu diesem Wissen führen sollen.

Esoterik in der Antike

Erste Belege von Lehren und Sozialstrukturen, die aus heutiger Sicht als Esoterik bezeichnet werden können, lassen sich schon recht früh im alten Griechenland finden. Dabei gilt Pythagoras als Begründer der religiös-philosophischen Schule und Bruderschaft, er glaubte an die Unsterblichkeit der Seelen und verband damit die Vorstellung der Seelenwanderung. Esoterisch war ebenso Platons Philosophie in dem Sinne, dass sie auf einen inneren Weg verwies und das Grundlegende seiner Lehre sei gar nicht mitteilbar, sondern nur der eigenen Erfahrung zugänglich. Platon könne als Lehrer nur Hinweise geben, aufgrund derer bestimmte Auserwählte in der Lage sein würden, sich selbst dieses esoterische Wissen zu erschließen.

Das Motiv eines inneren Kreises von Eingeweihten bzw. Auserwählten teils verbunden mit der Aufforderung zur Geheimhaltung tritt öfters auch in den frühchristlichen Schriften, die später als Evangelien in das Neue Testament aufgenommen wurden, auf, deshalb kann von neutestamentlichen Ansätzen einer christlichen Esoterik gesprochen werden. Diesen von Jesus persönlich Auserwählten steht der Apostel Paulus gegenüber, der Jesus nie persönlich begegnet war, der aber durch eine innere Offenbarung zum Christentum bekehrt und schließlich zu dessen erfolgreichstem Missionar wurde.

Im Mittelalter

Im Mittelalter gerieten wie auch andere Wissensbereiche große Teile der antiken Lehren der Esoterik im christlichen Kulturraum in Vergessenheit, dagegen konnten sie im islamischen Raum bewahrt und vielfach aufgegriffen wurden, die dann auch teils in die jüdische Mystik einflossen. Besonders solche Lehren, die eine individuelle Erlösung kannten oder sich auf religiöse Urkunden beriefen, welche keinen Eingang in den biblischen Kanon gefunden hatten, wurden aus dem orthodoxen Christentum ausgegrenzt. Ab dem 8. Jh. konnten sich in Südspanien unter der Herrschaft der Mauren (die in religiösen Dingen sehr tolerant waren) in friedlicher Koexistenz allerlei Spielarten islamischer, jüdischer und christlicher Spiritualität entfalten. Auch Platon und andere griechische Philosophen wurden von hier aus im westlichen Europa näher bekannt.

Als neue mystische Geheimlehre trat im 12. Jahrhundert in Südfrankreich die jüdische Kabbala auf, die zunächst im Judentum eine große Bedeutung erlangte, später aber auch außerhalb dessen in der Geschichte der Esoterik eine bedeutende Rolle spielte. Ursprünglich auf die Deutung der Heiligen Schrift eingegrenzt, entwickelte die Kabbala nun auch eine eigenständige theologische Lehre. Speziell die Mystik erfuhr in der ersten Hälfte des 14. Jh. einen bemerkenswerten Aufschwung und erlangte Popularität, indem ihre Vertreter die jeweiligen Volkssprachen anstelle des Lateinischen gebrauchten.

In der frühe Neuzeit

In der Renaissance, in der man sich im Allgem. auf die Antike zurückbesann, erlebte auch die Esoterik einen erneuten Aufschwung. Maßgeblich dafür waren die Wiederentdeckung bedeutender Schriften der Esoterik, die Erfindung des Buchdrucks (durch den sich ein viel größeres Publikum erreichen ließ) und natürlich auch die Auswirkungen der Reformation verantwortlich. Einige Esoterik-Forscher sehen im 16. Jh. sogar den eigentlichen Ausgangspunkt dessen, was man später als Esoterik bezeichnete und betrachteten daher vergleichbare Erscheinungen in der Antike und im Mittelalter lediglich als Vorläufer der Esoterik.

Im 18. Jh. entwickelte sich nun eine im Vergleich zu den vorangegangenen Klassikern weniger visionäre, dafür stärker intellektuell geprägte Esoterik in Form der Theosophie. Durch die erste deutsche Übersetzung der Schriften der Antike im Jahre 1706 wurden die Vorstellungen der Esotrik breiter bekannt und zum Gegenstand wissenschaftlicher Darstellungen und Untersuchungen. Populär waren dabei Themen wie Vampirismus und Hexerei und daneben etablierte sich eine institutionalisierte Esoterik in Form von geheimen Bruderschaften, Orden und Logen.

In der Moderne

Ende des 18. Jh. tauchte eine neue Praktik auf und zwar Personen in einen „Schlaf“ zu versetzen und sie dann über die übersinnliche Welt zu befragen. Eine Abwandlung dieser Praktik ist der Spiritismus, bei dem eine Person als „Medium“ dient und diesem werden dann Fragen gestellt, welche sich an die Geister von Verstorbenen richten. Die Geister sollen nun antworten, indem sie den Tisch, an dem die Sitzung stattfindet, in Bewegung versetzen. Daraus entwickelte sich eine regelrechte Religion. Vielfach wird das Jahr 1875 durch die Gründung der Theosophischen Gesellschaft in New Yorkvvals Geburtsjahr der modernen westlichen Esoterik angesehen. In Deutschland wurde 1886 eine deutsche Abteilung der Theosophischen Gesellschaft und 1888 ein Rosenkreuzer-Orden gegründet.

Der populärste Zweig der Esoterik im 20. Jh. ist zweifellos die Astrologie, sie versucht die verlorengegangene Einheit von Mensch und Universum wieder herzustellen, dabei werden auch versucht „Zeichen“ zu deuten und eine ganzheitliche Sprache zu entwickeln.


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